Unter 1000 € netto im Monat lebt man nicht üppig. Darum:
100 € von jedem der 15% Reichsten für jeden der 15% Ärmsten täten den Reichen nicht weh und würden den Ärmsten schon was bringen + und die Verhältnisse kämen ins Lot. Aber die Preisgestalter werden es sich von uns zurückholen, wenn es mehr wird.
In den Kommentaren weiter vorne wurde oft gefragt, warum sich so wenige wehren, es wurde auf die Politiker
geschimpft und die Verhältnisse in Deutschland kommen vielen mies vor.
Ein Grund dafür liegt m.E. darin, dass "der Markt" schlechthin mit Kapitalismus gleichgesetzt wird. Der
"kapitalistische Markt" macht Sinn, aber Markt ist noch mehr als Kapitalismus. "Der faule Apfel" macht Sinn, aber faul und Apfel sind trotzdem zwei vollkommen unterschiedliche Aspekte des Lebens - Bakterien/Pilze und Pflanzen.
geschimpft und die Verhältnisse in Deutschland kommen vielen mies vor.
Ein Grund dafür liegt m.E. darin, dass "der Markt" schlechthin mit Kapitalismus gleichgesetzt wird. Der
"kapitalistische Markt" macht Sinn, aber Markt ist noch mehr als Kapitalismus. "Der faule Apfel" macht Sinn, aber faul und Apfel sind trotzdem zwei vollkommen unterschiedliche Aspekte des Lebens - Bakterien/Pilze und Pflanzen.
Wenn "der Markt" immer das ist, was ich nicht beeinflussen kann aber können müsste, dann ist man wirklich ausgeschlossen, schon von seiner eigenen Definition her und hat einen riesigen Gegner. Dann ist er die Spielwiese der Privilegierten. Self-fulfilling definition.
Darum hier 12 , Aspekte, die ja in der Diskussion immer wieder vorkommen:
Darum hier 12 , Aspekte, die ja in der Diskussion immer wieder vorkommen:
der eigene Markt:
Aber meine Überzeugung ist, dass jeder seinen Markt macht, weil jeder Mensch Bedarf und Bedürfnisse hat und somit existenziell gezwungen ist, in Austausch mit anderen zu treten, weil er nicht mutterseelen allein seine Existenzgrundlagen erschaffen kann. Das ist schon Markt. Und seinen eigenen Markt zu gestalten, einen Job zu erlernen, der gebraucht wird, mit seinem Job Geld zu verdienen und mit dem Geld das Richtige anzustellen, gehörte seit Anbeginn der Zivilisation zu den schwersten Aufgaben des Lebens. Es ist keine Schande da zu scheitern, es ist aber auch keine Schande der Gesellschaft, dass es schwere Aufgaben sind; denn die Anderen entscheiden darüber, für welche Leistung sie ihr Geld ausgeben wollen. Die eigene Freiheit und Leichtigkeit des Lebens fand ihre Grenze immerschon an der Freiheit und den Bedürfnissen der Anderen.
der alternative Markt:
Alle, die hier schimpfen und fluchen: macht in einem Kollektiv mit, in einer Genossenschaft, in einem Projekt ohne Chef, auch in Non-Profit-Organisationen! Sofort merkt man, dass man Zeit da hinein stecken muss und sofort achtet man darauf, ob es Sinn macht, ob andere richtig mitmachen, oder eher weniger Zeit und Energie einbringen, sodass man sich ausgenutzt fühlt. Das kann man alles auch ohne Geld haben. Sobald man aktiv wird, macht man Markt. Markt heißt: "Was bringt es?"
Alle, die hier schimpfen und fluchen, macht mit bei der Linken! Guckt, was es bringt! Macht Markt mit der Linken! Wenn Ihr Arbeiter seit, streikt, kündigt den letzten Deal auf, versucht für Euch ein besseres Ergebnis zu erzielen, indem ihr einmal Eure Leistung zurück haltet und schaut: "Was ist sie denen wirklich wert?"
Nichts von dem allen lohnt, alles Scheiße? Alles macht Arbeit und Mühe, die nichts bringt? Alles nur insceniert von den Mächtigen, damit wir uns abreagieren können? Alle diese gefakten Möglichkeiten gehören zu den Verhältnissen in Deutschland - also sind die Verhältnisse in Deutschland auch Scheiße.
der globale Markt:
Einige Jahre vor dem Fall der Mauer kam Erich Honecker zu Franz Josef Strauß, dem damaligen Finanz Minister und Erzkapitalisten und erbat einen Milliarden Kredit. Wofür, war nicht richtig klar. Man munkelte ... für seine ihm treuen Funktionäre. Ähnlich wie heute, mit Griechenland, stöhnte die westdeutsche Presse: "Das kriegen wir nie zurück!" Der Fall der Mauer hat gezeigt, dass es selbst für den gesamten sozialistischen Ostblock mit seinen Bodenschätzen, Milliarden von Menschen und einer fortgeschrittenen Industrie, (die es am Anfang noch mit der USA aufnehmen konnte) immer doch noch die Marktgesetzte gab, die er sich dann entschloss angemessener zu befolgen. Schon längst hätte von der Linken der Entwurf des Sozialismus 2.0 öffentllich diskutiert werden müssen: "Was haben wir gelernt?", "Wie fangen wir jetzt unten an?" "Wie soll in Zukunft die Honecker/Strauß-Situation vermieden werden?" "Wie halten wir alle Menschen bei der Stange?"- Anstatt sich ewig negativ auf die Heuschrecken zu beziehen, soll die Linke sich wirtschaftlich so organisieren, dass ihr Markt was bringt. Eine Partei "Die Linke" ohne eine linke Wirtschaft ist ein klassischer antiker Torso. Es mangelt am Konzept und zuversichtlichem Beginnen.
Es ist ein Fehler, von jung auf nur gegen etwas anzudenken; nur wenn wir anfangen, praktisch für etwas einzutreten, entwachsen wir unserem Trotz.
der schwankende Markt:
Junge Menschen stößt es auf, wenn die Verhältnisse gerade in dem Jahrzehnt schlechter werden, in dem sie ihren Lebensentwurf entwickeln wollen. Ältere Menschen haben schon mehrere Auf-und-Abs erlebt. Als ich Anfang der 80er ins Berufsleben eintrat, war der Markt schwieriger als jetzt.
Handllungsfähigkeit:
Jeder ist im Markt voll handelsfähig, voll heißt ja nicht mit Millionen: alles, was er kann, seine volle Fähigkeitenpalette, kann er eintauschen. Er braucht aber immer ein Gegenüber, und wenn das sagt, deine Leistung brauch ich nicht, (gegenwärtig bei 7,4% der Fälle) dann kommt der Handel nicht zu Stande und somit keine Handelsfähigkeit=Handlungsfähigkeit. Wenn dann der Staat hilft, entscheidet jemand an ganz anderer Stelle, wie seine Leistungen zu finanzieren sind, also andere zu belasten sind. Wann der Punkt erreicht ist, an dem letztere dann sich verweigern, weiß ich nicht, vielleicht ist noch was rauszuholen. Würde das Mehr an Geld für Arbeitslose und Niedrigverdiener aber lieber in weiterführende Ausbildung stecken. Mindestlohn ist ok, eine längst überfällige Klärung des menschenwürdigen Mindestlebensstandards bei voller Arbeitszeit - eine Verdeutlichung der HartzIV-Grenze. Aber er erhöht kaum die Handlungsfähigkeit, die muss sich immer darauf beziehen, was (die anderen) Menschen brauchen, diejenigen alle, denen jemand nur begegnen kann, wenn er überhaupt sucht und experimentiert. Im Niedriglohnsektor gibt es da nirgends auf der Welt viel Spielraum. Das müssten die Arbeiter selbst herausfinden, oder man macht ein Projekt wie "Handelsmöglichkeiten im Niedriglohnsektor".
Erben:
Mich stört einfach nicht, dass Leute Millionen erben. Bei den 10-15% gibt es welche, die machen was drauss. Und wenn nicht: Von den Yachten über die goldenen Türklinken bis zu den Swimmingpools, von den Designerklamotten über die Nobelspas bis zu den Kristallkronleuchtern, alles diversifiziert den Markt möglicher Leistungen. Bei der Reichensteuer würde mich interessieren, wohin das Geld dann fließt. Nicht nur die Steuer fordern, sondern sagen, was damit gemacht werden soll. Schlimmstenfalls fließt sie in die Rüstung. Ich glaube nicht, dass ein Niedriglohnzuschlag eine Mehrheit finden würde. Vielleicht eine Erhöhung des Kindergeldes.(s.Renten)
Sparen:
Genossenschaftliches Wohnen ist möglich. Sich dort einzukaufen mit einer Single-Wohnung ist so teuer wie zwei Jahresurlaube eines Arbeiters oder zwei Jahre kein Bier und keine Zigaretten. Oder man muss sich entscheiden, wenn man mal das Geld hat, aber überhaupt nicht umziehen muss - ein Handlungspielraum zur Optimierung seiner Verhältnisse. Es hilft sehr wohl, in viele kleine konkrete Optimierungen im Beruf, beim Wohnen, beim Konsum, bei der Mobilität etc. hineinzugehen, aber vor allendingen würde erst dann überhaupt ein Vermögenstransfer von Reich nach Arm was bringen; ohne diese Rigorosität würde das Geld doch wieder nur in den Konsum fließen und diesen verteuern - alles wäre verpufft.
Vermögen bilden:
"Schaffe schaffe Häusle baue" hat in der Vergangenheit sehr zur Vermögensbildung beigetragen. Im postmodernen Mainstream ist Vermögungensbildung bei der Mittelschicht nicht mehr so angesagt. Hat mich nie interessiert. Vermögensbildung war Angst besetzt, ein Leben lang Vermögen anzusammeln hat immerschon Verzicht erfordert, den man immer weniger leisten will, gemäß dem Motto, "Lebe jetzt". Das Häusle hilft auch nicht im Alter, wenn man es garnicht vererben kann, weil keine Kinder da sind, und es auch schlechter verkaufen kann - aus dem selben Grund. Die Rentenunsicherheit wegen des Geburtenrückgangs ist garantiert nicht Armuts bedingt. Die Linke behauptet zwar, dass die Geburten zurückgehen, weil die Eltern keine Perspektive für ihre Kinder sehen. Dann müssen wir aber endlich mal rausbekommen, warum in Griechenland, Spanien, Italien, Brasilien, Chile, die Geburtenrate viel viel höher ist!!!!! Die Lebensversicherungen leiden unter abnehmenden Neuverträgen.
länger Arbeiten:
Keiner von denen, die ich kenne, arbeitet mehr als früher. Der Parkplatz von der Stadtverwaltung ist Freitag Mittag leer.
Es gibt im Internet und in der IT-Branche Berufe, die es vor wenigen Jahren noch garnicht gab, die in kleineren Agenturen zeitweilig sehr hohe Nachfrage nach Arbeit haben und dann wieder nicht, also Überstunden erfordern und dann auch wieder Arbeitslosigkeit bringen. Die Überstunden gehen in die Überstundenstatistik ein, die Arbeitslosigkeit in die Arbeitsstatistik. Übers Jahr werden dann weniger als 35 Std pro Woche gearbeitet. Ist nun das Glas halb voll oder halb leer? Ist es nun schlecht, dass der Auftragsstrom nicht gleichmäßig fließt wie der beim Pullern, oder ist es gut, dass es diese kreativen Berufe jetzt gibt, die der Sozialismus noch leider garnicht kreieren konnte, weil er digital noch nicht so weit war bevor er zum Kapitalismus mutierte? Freelancer sind nicht gewerkschaftlich organisiert. Da besteht noch Handlungsspielraum.
früher Berufseintritt und Vermögensbildung:
Der größte Teil der fertig Ausgebildeten tritt natürlich viel viel später ins Berufsleben ein, weil ja viel mehr studieren. (Erfolg der SPD-Parole "Studium für Alle") Weswegen Kinder aus mittellosen Familien wie noch nie und nirgends auf der Welt größere Chancen haben, hochqualifizierte Berufe zu erlernen (skandinavische Länder ausgenommen?). Wobei sie in ihrer Freiheit mit Vorliebe ganz toll kreative Berufe wählen, die dann ein Überangebot an Arbeitskräften aufweisen: Architekten, Künstler, Kulturwissenschaftler, Philosophen.....und weniger Berufe technisch-handwerklicher Art, wo Arbeitskräfte gesucht werden
und die Gesellen und Meister schon Vermögen bilden können im gleichen ?bescheidenem? Maße wie früher. Man sollte die Vermögensbildung in der Statistik nicht wichtiger nehmen als es die Menschen bei der Berufswahl tun. Eine Statistik mit einem Kreativitätsquoeffizienten ist mir nicht bekannt. Betriebswirtschaftsstudenten machen schon ihr kleines Vermögen - es hat mich nie wirklich interessiert. Es gab noch nie so viele Menschen in kreativen Berufen, und es gab auch noch nie ein so großes Spektrum an kreativen Berufen. Wo steht geschrieben, dass die alle auch noch Vermögen bilden können sollen - was natürlich wünschenswert ist- aber wirtschafts-kreativer Ideen bedarf; es gibt keinen historischen und auch keinen globalen Vergleich, aus dem man ablesen könnte, wie viel und welche Art von Akademikern eine Gesellschaft nur brauchen kann. Das muss sie selbst entscheiden - über einen demokratischen Prozess: den Markt, bei dem tacheles jeder mit seinem eigenen Geld darüber abstimmt, was er gebrauchen kann und will. Geld ist auch Anerkennung und Votum und der Markt ist ein Entscheidungsfindungsprozess.
Trickle down:
https://de.wikipedia.org/wiki/Trickle-down-Theorie
M.E.kann in einem komplexen System wie etwa der deutschen /europäischen/globalen (sozialen) Marktwirtschaft nie und nimmer so ein Effekt herauskalkuliert werden. Reicht nicht die Yacht, von der die Werft mit ihren armen Arbeitern lebt oder die Psychotherapie des hyperaktiven Söhnchens, von der der arme Akademiker lebt? Was für eine Komödie!
Verbrauchssteuern:
Sollen wir wetten, dass Rot-Grün die Mehrwertsteuer erhöhen wird? 21% sind noch drin - das bleibt ja immer noch weit unter Schweden mit 25%! Dann geht der Konsum so zurück, dass wieder weniger Steuern sprudeln - auch ein Markt! Eine Tacheles-Abstimmung. Oder die Touristen bleiben weg - Abstimmung mit den Füßen.
Man muss nicht nur nach Produkten fragen, die nirgends angeboten werden, sondern sollte sie selbst anbieten. Es kann Jahre dauern, sich dazu in die Lage zu versetzen. Das erfordert kontinuierliche Hingabe an das Ziel und ist ein Wagnis. Es kann am Ende vergeblich gewesen sein - aber nie sinnlos. Projekte sind keine TVs, wo man den Schalter drückt und das Programm spult ab. Nicht alle Projekte, die Geld bekommen haben, funktionieren. Und natürlich mögen irgendwo tolle Ideen schlummern, die nicht zu einem Projektkonzept reifen und nie einen Cent bekommen und Konzepte, die niemanden überzeugen. Aber das Geld ist weniger das Problem als die Idee und ihre Kommunikation, das Vermögen weniger als die Bildung.